Wir leben von Gottes Liebe - wir feiern Gottes Liebe - wir geben Gottes Liebe weiter

Angedacht

„Onkel Heini“ – die Predigt vom 14. Juni 2020

Wer Problem hatte, konnte immer zu ihm kommen. Nicht immer konnte er mit Geld helfen. Aber auch in schwierigen Situation wusste er meist einen guten Rat. Fast niemals ließ er jemanden wieder weggehen, ohne ihm oder ihr geholfen zu haben. Er setzte sich immer ein. Aus seiner christlichen Überzeugung heraus!

Man konnte mit vielen Leuten aus der Gemeinde reden. Darunter waren etliche, denen er schon einmal geholfen hatte. Vielleicht war es nur ein kleiner Rat. Vielleicht war es aber auch eine größere Hilfe. Dass er sich eingesetzt hatte für jemand. Deshalb sprachen alle nur positiv über ihn. Du konntest dich umhören, wo du wolltest.

Die meisten wussten nicht einmal, dass er in Wahrheit Heinrich-Walter hieß. Die meisten kannten ihn nur unter seinem Spitznamen „Onkel Heini.“ So sprach auch der Pfarrer auf seiner Beerdigung niemals seinen bürgerlichen Namen aus. Niemand hatte ihn so genannt. Aber immer wenn er „Onkel Heini“ sagte, hatten alle sein liebevolles und gütiges Gesicht vor Augen.

„Onkel Heini“ war schon einige Jahrzehnte tot. Aber die Erinnerung an ihn war noch im Dorf und in der Gemeinde lebendig. Und alle sagten: „Ach, würde doch noch der alte Onkel Heini leben!“ Denn er hatte mit seiner Art auch auf die gesamte Gemeinschaft ausgestrahlt. Ihm zollten sie Respekt. An ihm nahmen sie sich ein Vorbild.

Einen solchen Mann wie „Onkel Heini“ gab es auch schon in der allerersten christlichen Gemeinde. Er hieß „Josef“, doch niemand kannte ihn unter diesem Namen. Alle nannten ihn nur „Barnabas“, das heißt „Sohn des Trostes“ oder „Mann, der andere ermutigt“:

Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte. Auch Josef, ein Levit, gebürtig aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, genannt wurde, verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Es war eine Notzeit. Es fehlte an allen Ecken und Ende. Die junge Gemeinde hatte keine großen Reichtümer. Viele mussten um ihre Existenz bangen. Es gab viel Armut. Aber, was noch viel bedeutsamer war: Viele, die noch etwas besaßen, setzten ihren Besitz ein, um anderen damit zu helfen. Das war für sie eine Selbstverständlichkeit. So erzählt es Lukas.

Josef, also Barnabas, der „Mann, der andere ermutigt“, gehörte auch zu ihnen. Zu ihm konnten sie immer kommen, wenn jemand Hilfe brauchte. Er half gerne. Denn alle wussten: Josef ist ein Mann, der tröstet und hilft. Aber als die Not noch größer wurde, da half er nicht nur mit Worten und einfachen Taten. Er verkaufte einen Acker und stiftete den Erlös für die Armen in seiner Gemeinde.

Andere nahmen sich ein Beispiel an Barnabas. Er wurde nicht nur bewundert, sondern auch ein Vorbild. Wenn es Menschen wie ihn gab, dann konnten sie nicht zurückstehen. Da wurden sie dazu verlockt, genauso zu helfen wie er. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, versteht sich.

Ob Barnabas noch lebte, als die Apostelgeschichte geschrieben wurde, weiß ich nicht. Wenn nicht, dann war es so wie mit Onkel Heini: Man erinnerte sich gerne an ihn. Und an alles, was er Gutes getan hatte. Gerade in Zeiten der Not!

Corona hat unser Leben verändert. Ein Virus hat uns vor Augen geführt, auf welch wackeligem Fundament wir uns befinden. Wie schnell unsere Selbstverständlichkeiten infrage gestellt werden. Auch unser Wohlstand und das gute Leben, das wir führen.

Es ist noch einmal gut gegangen. Wenigstens bis jetzt. Sehr viele sind vor wirtschaftlicher Not verschont geblieben. Aber die Einbrüche in der Wirtschaft. Entlassungen und Kurzarbeit geben einen Eindruck davon, was alles hätte passieren können. Oder noch passieren könnte. Denn ob der „Wumms“ hilft, den unsere Regierung ausgelöst hat, weiß auch noch niemand.

Damals in Zeiten der Not lebten in der Gemeinde Menschen wie Barnabas. Menschen, die anderen ein Beispiel gaben. Die sich einen Namen machten: Barnabas – Sohn des Trostes, der Mann, der ermutigt!

Im Zentrum ihres Gemeindelebens stand der Glaube: Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.

Aber es kam auf Menschen wie Barnabas an, die diesem Glauben ein Gesicht gaben.

Wohin uns Corona führt, wissen wir noch nicht. Weder für uns als Gesellschaft, noch für uns als Einzelne. Auch nicht für uns als Kirche Jesu Christi. Aber es zeichnet sich ab, dass wir kleiner und bescheidener werden. Werden müssen.

Dann kommt es auch auf Persönlichkeiten wie Barnabas an, Persönlichkeiten wie „Onkel Heini“. Für die sich ihr Glaube in praktischer Hilfe erweist. Die ein Auge haben für die Not von Menschen und ein Herz für Menschen in Not. Auf Persönlichkeiten wie uns?

Ich glaube nicht, dass sich Josef seinen Spitznamen selbst gegeben hat. Den haben ihm andere verliehen. Weil Trost und Ermutigung zu seinem Wesen gehörten. Darum haben sie ihn so genannt.

An was werden sich wohl die Menschen erinnern, wenn sie an unsere Zeit und unsere Generation zurückdenken? Und wie werden sie uns nennen?

Amen.

Die Losung von heute

Die Losungensdatei von diesem Jahr konnte nicht gefunden werden. Weitere Infos in der ReadMe.md des Plugins.