Wir leben von Gottes Liebe - wir feiern Gottes Liebe - wir geben Gottes Liebe weiter

Angedacht

Aus den täglichen Impulsen unseres Pfarrers Marcus Tesch während der Coronakrise

Auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der

Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir

wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt. (Römer 8,21-22)

 

Ich habe schon oft gedacht: Eigentlich geht es uns viel zu gut! Ich meine das nicht moralisch und natürlich möchte ich auch, dass es allen, möglichst allen Menschen wirklich gut gehen möge. Ich meine es auch nicht so, wie es natürlich allzu menschlich wäre: Jemand anderem, jemand Bestimmten geht es zu gut – mir nicht. Nein, ich meine es anders.

 

Ich stelle mir dann vor, wie wir in unseren warmen Häusern sitzen. Wie wir selbstverständlich die Annehmlichkeiten annehmen, die sich uns bieten. Ich denke dann, dass wir in unseren großen Blechkisten namens Auto sitzen und fahren, wohin wir wollen. Dass wir die ganze Welt bereisen, nah und fern. Dass wir, abgesehen von mancher persönlichen Tragödie, doch im Großen und Ganzen gut leben. (Und dass wir dennoch oft klagen, als wäre es nicht so!)

 

Eigentlich geht es uns viel zu gut! Denn wir hören nicht mehr das Seufzen der Schöpfung, von der Paulus spricht. Wir sehen die Bilder des Bürgerkrieges in Syrien, die überfüllten Flüchtlingslager. Wir sehen die Not der Menschen in den Slums der großen Städte in Südamerika. Wir wissen, dass viele unter der Ausbeutung der Natur leiden und der Klimawandel voranschreitet. Aber wir hören dieses Seufzen nicht mehr, weil wir so gut eingepackt sind im Kokon unseres Wohlstands und der Lärm ständiger Unterhaltung und Berieselung dies nicht mehr zulässt.

 

Aber dieses Seufzen der Schöpfung ist doch da. Und im Moment spüren wir es vielleicht das erste Mal ganz bewusst. Es macht auch vor unserem Wohlstand und unserem geordneten Leben nicht Halt! Ob wir unser Verhalten und unser Leben, falls wir diese Krise überstehen, ändern werden?

 

Paulus schließt uns in diesem Wort aber eine Tür auf: Das Ziel Gottes mit dieser Welt ist nicht der Untergang! Sein Ziel ist die Freiheit der Schöpfung. Sie soll frei werden von der Vergänglichkeit und allem Klagen. Sie liegt noch wie eine Schwangere in Wehen, aber wir, die wir glauben, sind schon in seine Freiheit gerufen. Wir tragen diese Hoffnung wie ein Samenkorn in uns, noch schwach und bedroht, aber sie entfaltet sich und beruft uns dazu, an der Befreiung der Schöpfung mitzuwirken. Getrost und unverzagt!

 

FRAGEN ZUM NACHDENKEN:

Berührt mich das Seufzen der Schöpfung noch? Wann habe ich das letzte Mal gespürt, dass sie ächzt und stöhnt? Wo habe ich mich engagiert, wo könnte ich mich engagieren, dass sie ein kleines bisschen weniger zu seufzen hat?

 

Liegt die Vollendung der Welt in der Hoffnung auf den Himmel? Oder könnte es sein, dass Gott mit seiner Schöpfung etwas anderes vorhat? Wie stellst du dir die Schöpfung ohne das Leiden unter ihrer Vergänglichkeit vor?

 

GEBET:

Liebender Gott, der du selbst die Schönheit bist,

wie wunderbar hast du diese Welt geschaffen!

Wie herrlich ist es, am Morgen zu sehen, wie die Sonne aufgeht!

Wie einzigartig sind das Singen der Vögel und das Rauschen des Windes!

Doch deine Schöpfung leidet und seufzt,

unter den Mächten und Gewalten, die zerstören,

an Hunger und Krankheiten,

an Katastrophen und Unglücken,

an Trauer und Tod,

an der Willkür mächtiger Menschen und Regime,

am Egoismus, der alles für sich selbst beansprucht.

 

Heiliger Geist, die du selbst die Macht der Liebe bist,

wie wunderbar bist du schon jetzt am Werke!

Wie herrlich ist es, jeden Tag zu sehen, wie Menschen einander Gutes tun!

Wie einzigartig sind das Singen der Menschen zu deiner Ehre und die Taten der Gerechtigkeit!

Doch unsere Hände sind schwach und unsere Taten unvollkommen,

was wir tun erreicht so oft nicht das Ziel

unser Bitten und Flehen,

unser Helfen und Geben,

unser Lieben und Lachen.

Wirke umso mächtiger unter uns in diesen Zeiten der Bedrohung!

Schenke und wirke die versprochene Freiheit, die du uns schenkst und an der alle und alles einmal Anteil haben sollen!

Schenke uns Mut! Mach uns getrost und unverzagt! Amen.

 

LIED:

„Da wohnt ein Sehnen unter uns“ von Anne Quigley, Übersetzung Eu

gen Eckert

https://www.youtube.com/watch?v=a23EPtNaeaI&t=18s

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