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Angedacht

Auf die Wurzeln kommt es an!

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Auf die Wurzeln kommt es an! Wurzeln geben jedem Baum den nötigen Halt. Sie verankern ihn im Boden. Sie ermöglichen ihm die Aufnahme wichtiger Nährstoffe und vor allem von Wasser. Reichen die Wurzeln tief genug, dann trotzt ein Baum auch einem Sturm oder einer Dürre. Einen dermaßen verwurzelten Baum bringt nichts so schnell aus dem Gleichgewicht.
Auf die Wurzeln kommt es an! Das gilt ganz sicher aber nicht nur für Bäume. Auch ein Mensch braucht in seinem Leben Wurzeln. Je älter er wird, umso deutlicher werden im Rückblick seine Wurzeln sichtbar. Was sind meine Wurzeln? Was sind Ihre Wurzeln? Was hat uns zu dem werden lassen, was wir nun sind? Was gibt uns bis zum heutigen Tag den nötigen Halt? Was lässt uns auch in Zeiten der Trockenheit und Dürre nicht vertrocknen? Was gibt uns Kraft, auch in Stürmen zu widerstehen? Was macht uns widerstandsfähig?
Es gibt ein Wort, das macht seit einiger Zeit die Runde. Vielleicht ist es ja nur ein Modewort. Aber was es bezeichnet, lässt sich gut an dem Beispiel der Wurzeln aufzeigen: Resilienz. Der Duden definiert Resilienz folgendermaßen: psychische Widerstandskraft; Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
Also könnte ich auch fragen: Was verhilft uns zu der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überste-hen?
Bevor ich versuche, diese Frage zu beantworten, möchte ich den Blick auf den Namen und das Emblem unserer Evangelischen Kindertagesstätte lenken, deren Umbau wir heute ge-nauso feiern wie ihr 90jähriges Jubiläum. Aus dem ehemaligen Evangelischen Kindergarten wurde vor gut zehn Jahren nach einer Frageaktion unter Eltern und Gemeindemitgliedern die Kindertagesstätte „Apfelbaum“. Der Apfelbaum mit Wurzeln. Und neben dem Apfelbaum haben Sie ganz gewiss den Martin Luther geschriebenen Spruch gelesen: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Liebe Gäste, liebes Team der KiTa, liebe Eltern, liebe Mitglieder des Presbyteriums: Das ist Resilienz. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Besser als mit diesem Luther- Zitat kann man wohl kaum ausdrücken, was damit gemeint ist. Vielleicht denkt man bei Martin Luther selbst eher an eine knorrige Eiche als an einen Apfelbaum. Aber dieser Spruch bleibt, ob zu Recht oder nicht, wohl für immer mit ihm verbunden.
Was verhilft uns zu der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beein-trächtigung zu überstehen? Was gibt uns den Mut, auch angesichts größter Herausforderungen und Rückschlägen, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen? Was würden Sie sagen?
Und wenn es das ist, was uns diese Kraft gibt, dann sollte es wohl auch das sein, was wir unseren Kindern und unseren Enkelkindern weiter-geben wollen. Erst recht in einer Kindertagesstätte, die sich den Apfelbaum als Namensgeber ausgesucht hat. Was also macht aus Menschen, besonders aus kleinen Menschen, widerstandsfähige und dem Leben zugewandte Persönlichkeiten? Was gibt ihrem Leben sicheren Halt? Was sind die Wurzeln, die sie mit dem Nötigsten versorgen?
Ich will zwei Kräfte nennen, die, wie ich glaube, die Grundvoraussetzung sind, damit sie und auch damit wir den Stürmen des Lebens trotzen und uns bis ins Alter hinein entfalten können:
Vertrauen und Liebe! In diesen beiden Kräften sehe ich so gut wie alles enthalten, was Menschen stark und widerstandsfähig macht, resilient.
Vertrauen zum Leben. Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Vertrauen auf Menschen. Vertrauen auf eine gute Zukunft. Vertrauen, es irgendwie zu schaffen.
Liebe zum Leben. Die Erfahrung, ein liebenswerter und geliebter Mensch zu sein. Liebe zur Schöpfung, Liebe zu allem Schönen. Die Liebe zu Menschen.
Wer nicht vertrauen kann, muss sich Sicherhei-ten suchen. Wer nicht vertrauen kann, muss ständig zweifeln. Wer nicht vertrauen kann, muss alles und jeden ständig kontrollieren.
Wer sich nicht geliebt weiß, muss sich immer beweisen. Wer Menschen und die Schöpfung nicht lieben kann, der kann sie nur nutzen – vielleicht sogar ausnutzen. Wenn Vertrauen und Liebe fehlen, sind sie durch nichts zu ersetzen.
Für Vertrauen und Liebe braucht es immer an-dere. Wenn ein Mensch Selbstvertrauen hat und sich selbst lieben kann, dann sind dem schon Erfahrungen vorausgegangen, in denen er sich als geliebt erfahren hat und ihm etwas zugetraut wurde.
Auf die Wurzeln kommt es an! Und das gilt besonders in unserer heutigen Zeit. Viele sehnen sich nach der angeblich guten alten Zeit. Und sie fürchten sich vor allem Neuen. Aber das Festhalten an Altem ist nicht Resilienz. So gut alte Traditionen und Rituale auch sein mögen. Sie ersetzen nicht die wichtige Erfahrung von Vertrauen und Liebe. Wer verwurzelt ist, wer seine Wurzeln kennt, der braucht sich weder vor dem Neuen zu fürchten, noch radikal mit dem Alten brechen.
Pädagogische Moden kommen und gehen. Konzepte werden entwickelt, ausprobiert und wieder verworfen. Alte Formen sind längst ver-schwunden und werden doch immer wieder neu entdeckt und lebendig. Was wir aber den Kindern durch persönliche Zuwendung immer wieder vermitteln können: Wir vertrauen dir – du darfst dem Leben vertrauen. Du bist ein ge-liebter, einzigartiger Mensch – so wie die anderen auch.
Beim Propheten Jeremia heißt es: Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern sei-ne Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt oh-ne Aufhören Früchte.
Wir haben uns als Evangelische Kirchengemeinde mit einem hohen sechsstelligen Betrag bei diesem Umbau engagiert. An dieser Stelle sage ich Dank auch an die öffentlichen Zuschussgeber, die uns Unterstützung gewährt haben, genauso wie an alle privaten Spender und Spenderinnen. Aber den Löwenanteil, den haben wir selbst getragen. Warum? Warum engagiert sich die Evangelische Kirchengemeinde, warum engagieren sich überhaupt Kirchen für die Arbeit mit Kindertagesstätten?
Weil wir überzeugt sind: Der Glaube an den Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, ist die beste und unerschütterlichste Wurzel des Vertrauens und der Liebe, die es überhaupt geben kann. Es steht außer Frage, dass dieser Glaube auch genau für das Gegenteil miss-braucht wurde, um Menschen in Angst und Abhängigkeit zu halten. Aber recht verstanden stärkt der Glaube Menschen hin zu Vertrauen zum Leben und zur Erfahrung: Ich bin ein wert-voller, einzigartiger, ja geliebter Mensch.
Wissen wir auch in dürren Zeiten, wo unsere Wurzeln sind? Pflanzen wir einen Apfelbaum? Mit dem Umbau der KiTa Apfelbaum haben wir dies gewiss getan. Mit der Unterstützung ande-rer, die später noch zu erwähnen sein werden. Aber trotz aller Startschwierigkeiten, trotz auch aller Unkenrufe, trotz aller Ängste ist uns dies gelungen. Auch das ist Resilienz.
Auf die Wurzeln kommt es an!

 

Pfarrer Marcus Tesch

Die Losung von heute

Der HERR wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.

Jesaja 52,12

Wir sollen desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.

Hebräer 2,1

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